7September2015

IRONMAN 70.3 Weltmeisterschaft in Zell am See – Kaprun

Geschrieben von Philipp in: News

Knapp über 2.700 Athleten qualifizierten sich bei einem der 69 weltweiten IRONMAN 70.3 Rennen auf der ganzen Welt, um bei der Weltmeisterschaft im schönen Salzburger Land dabei zu sein und um sich mit den besten Triathleten der Welt zu messen. Das erste mal wurde die WM in Europa ausgetragen, deswegen war ich auch so besonders glücklich, mich im Krachgau für dieses Rennen qualifiziert zu haben.

Bereits meine zweite WM Teilnahme nach Las Vegas vor zwei Jahren. Dort war ich mit meinem Ergebnis aber nur bedingt zufrieden. Zu viele äußere Einflüsse wie die Zeitverschiebung, schwere Beine von Sightseeing Touren und die späte Qualifikation waren Gründe für eine nicht so optimale Weltmeisterschaft. Am Ende sprang 2013 der 48. Platz in meiner Altersklasse heraus. Das sollte dieses Jahr besser werden.

Die Qualifikation erhielt ich bei einem stark besetztem Feld im Kraichgau. Mit meinem 9. Platz erhielt ich den letzten Qualifikationsplatz. Danach stand der Fokus allerdings erst einmal auf meiner Langdistanzpremiere in Roth. Anschließend hatte ich noch sechs Wochen Zeit, um mich für die Weltmeisterschaft vorbereiten zu können. Diese verliefen ohne weitere Vorkommnisse sehr zufriedenstellend.

Die Balance zwischen Belastung und Entlastung ist gar nicht immer so einfach. Vor Allem wenn die Faszination Triathlon nur ein Hobby ist und man noch Job, Familie und Freunde als Bausteine drum herum hat. Die Zusammensetzung dieser Bereiche ist auch im Amateurbereich sehr unterschiedlich und somit die Vorraussetzungen verschieden. Trotzdem steckte ich mir Ziele: TOP25 und alles aus meinem Körper herausholen. Das erste Ziel  kann ich nicht alleine beeinflussen, das zweite aber schon.

Freitag reisten Dominik und ich ins schöne Salzburger Land nach Zell am See. Dort angekommen holte ich meine Startunterlagen und wir stärkten uns mit ausgesprochenen leckeren Kaiserschmarren und Kaffee. Am Abend war dann noch die Nationenparade mit anschließendem Welcome Banquet. Die Stimmung war gut, die Region und der Veranstalter schienen vorbereitet auf die Weltbesten Triathleten. Und ich mittendrin statt nur dabei.
Am nächsten Tag fuhr ich nochmal einen kritischen Teil der sehr anspruchsvollen Radstrecke ab. Am Abend checkte ich dann mein Rad ein. Meine Freundin und ihre Eltern haben sich auch auf dem Weg nach Österreich gemacht. Mit denen trafen wir uns noch am Abend. Schön das ihr da wart!!

Raceday: Sonntag war es dann soweit. Früh checkte ich nochmal das ganze Material in der großen Wechselzone. Schon jetzt waren es über 30 Grad im Schatten – strahlend blauer Himmel. Das Wetter zeigte sich also nochmal von seiner sommerlichsten Seite. Herzlich war auch die Stimmung der über 1.000 Zuschauer am Schwimmstart. Ich war vorbereitet. 11:10 Uhr ging es dann für meine Startgruppe (ca 170 Triathleten im Alter von 25-29 Jahren) in den klaren Bergsee in Zell am See. Die Profis starteten 10:45 Uhr. 1,9 Kilometer schwimmen, 90 Kilometer Radfahren und abschließend 21,1 Kilometer laufen. Der Schwimmkurs war eigentlich easy. 935m geradeaus, 30m links herum und wieder 935m zurück zur Wechselzone. Trotzdem kam ich kurz nach dem Start ganz schön in Bedrängnis und bekam einige Tritte und Schläge am Kopf ab. Mehrmals musste ich meine Schwimmbrille richten und schwamm schlussendlich etwas hinterher. Mist. Am Ende hatte ich eine Zeit von 29 Minuten. Das ist okay für mich, aber da war deutlich mehr drin.

Wechsel war okay. Anschließend ging es auf den Radkurs. Die ersten 20km waren flach. Danach ging es 14 Kilometer den Berg hoch. Vor Allem das erste Stück und die letzten zwei Kilometer davon hatten es in sich. Ich entschied mich aufgrund des langen Anstieges  noch am Vortag gegen eine Scheibe. Am Berg wurde ich belohnt, ich war nur auf der Überholspur und es lief sehr gut. Die letzten zwei Kilometer mit einer Steigung von 15% zogen aber auch bei mir den Zahn. Anschließend ging es ein kurzes Stück genau so steil wieder bergab. Ich bin heilfroh mir die Stelle am Vortag noch einmal angeschaut zu haben. Einige andere hätten es auch tun sollen. So gab es ein paar Unfälle in den Kurven und einige Materialschäden. Durch das starke bremsen erhöhte sich der Reifendruck natürlich noch einmal um 1-2 Bar. Wer schon von Beginn an über 10 Bar auf den Reifen hatte, musste mit Reifenplatzern rechnen. Die Strecke anschließend zurück bis Zell am See verlief flach. Am Wendepunkt konnte ich sehen, dass große Pulks sowohl hinter mir aber auch vor mir unterwegs waren. Ein paar Athleten bekamen zwar auch eine Zeitstrafe aber bei weitem nicht so viele wie  notwendig gewesen wäre. Zwei Pulks überholten mich dann auch noch auf den letzten 10 Kilometern.

Der Zweite Wechsel verlief bei mir hervorragend. Ich lief mutig an, hatte ich doch nichts zu verlieren. Laut Dominik war ich etwa an Position 60. Nach dieser Information war ich ganz schön geknickt. Die Mittagssonne hatte auch kein Erbarmen. Der Laufkurs war zwar relativ flach aber trotzdem anspruchsvoll. Eine Wendepunktstrecke am See antlang. Da auch Athleten entgegenkamen waren Überholmanöver anspruchsvoll. Unüberlegte Bewegungen können zu Krämpfen führen, man musste das Umfeld auch die ganze Zeit im Auge behalten. An den Verpflegungsstellen war es sehr eng. In der letzten Runde konnte ich nochmal einige Athleten meiner AK überholen und mich noch bis Platz 38 vorschieben. Fast wäre es Platz 37 geworden aber den Zielsprint verlor ich dann (: Das spielte aber auch keine Rolle mehr. Die Stimmung war Spitze und ich war super glücklich ohne Krämpfe ins Ziel gekommen zu sein. Wenn man bedenkt, dass auch die Profis etwa vier Minuten langsamer gelaufen sind als sonst, ist meine Laufzeit auch schon wieder okay.

So ganz glücklich bin ich mit dem Ergebnis trotzdem nicht. Ziel war ein Platz unter den ersten 25. Ich kann nicht mal sagen, dass ich mit meiner isolierten Leistung unzufrieden bin, die anderen waren einfach besser. Vor allem die Europäer waren super stark. Immerhin war es eine Weltmeisterschaft und ich habe mich mit den Besten der Welt gemessen. Vor mir war nur ein US Amerikaner. Das sah vor zwei Jahren noch ganz anders aus. Gewonnen hat übrigens Jan Frodeno (GER) vor Sebastian Kienle (GER) und Javier Gomez (ESP).
Deutscher Doppelsieg bei der WM. Die Stimmung im deutschen Lager am Abend beim Banque of Champions war dementsprechend gut. Die nächste WM findet übrigens 2016 in Australien an der Gold Coast statt. Ist schön dort (:

Ergebnisse gibt es hier.

Vielen Dank an dieser Stelle noch an Dominik für die ganze Unterstützung auf dem Weg zur Weltmeisterschaft. Mittlerweile sind wir ein eingespieltes Team. Er weiß welche Informationen ich wann brauche und motiviert mich vor, während und nach dem Rennen.
Auch meine Freundin musste in den letzten Monaten viele Entbehrungen in Kauf nehmen weil ich das Rennrad, die Schwimmbrille oder die Laufschuhe ihr vorzog. Danke, dass ich meinen Traum leben durfte.
Danke auch an Peter Sauerland – meinem Coach – für die Geduld und die ganzen Trainingspläne. Es ist aufgrund der Entfernung nicht immer einfach, weil die Kommunikation ausschließlich über Telefon und Internet verläuft.
Ein Dankeschön geht auch an meine Trainingspartner , die mich im Training pushen und lange Radausfahrten nicht langweilig werden lassen.

 

 

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17August2015

Sprint Nordhausen – gelungene Generalprobe gegen Thüringens Nachwuchselite vor der Weltmeisterschaft in Zell am See

Geschrieben von Philipp in: News

So ein Sprint ist schon was anderes. Hier zählt jede Sekunde. Den Sieg habe ich wahrscheinlich in der Wechselzone verschlafen. Ganz im Gegensatz zu den Sprintstars aus Weimar. Klar, durch die Bundesliga sind die jungen wilden genau so ein Format gewöhnt. Geil war es trotzdem.

Zwei Wochen vor der Weltmeisterschaft wollte ich mich nochmal einen kleinen Formtest unterziehen und entschied mich in Nordhausen auf einen Sprinttriathlon einzulassen. 750m Schwimmen, 20Km Radfahren und abschließend 5Km Laufen. Nach langer Zeit waren auch mal wieder Ulrike und Julius mit als Supporter an der Strecke. Dominik selbstverständlich auch. Meine persönliche Zielstellung war, beim Schwimmen nicht all zu viel Zeit zu verlieren und dann auf dem Rad ordentlich Druck zu machen, um beim abschließenden Laufkurs Tuchfühlung zur Spitze zu haben.

Schwimmen lief für meine Verhältnisse (ohne Neo, Wassertemperatur knapp über 23 Grad) spitze, trotzdem verlor ich knapp zwei Minuten zur Spitze. Als ob ich nicht schon genug Zeit im Wasser verlor, fiel der ganze Radständer zusammen, als ich mein Rad von der Stange nahm. Weitere wertvolle Sekunden verstrichen eh ich auf dem Rad mehr investieren musste als ich wollte. Nach 10km konnte ich auf Reiner Wunderlich (Triathlon Jena) aufschließen, der nach dem Schwimmen etwa eine Minute Vorsprung hatte. Die letzten 10km konnte ich auch nach vorne noch weiter Boden gut machen, was allerdings schwierig war, weil vorne nicht sauber gefahren wurde und die Kampfrichter nicht durchgriffen. Am Ende stand trotzdem der schnellste Radsplit zu buche.
So ging es auf Platz 7, mit einem Rückstand von 1:30min auf Ricardo Amarell (HSV Weimar), auf die Laufstrecke. Durch schnellere Wechsel schoben sich auch Reiner Wunderlich und Paul Triebkorn (A3K Berlin) wieder vor mich. Diese konnte ich am Anfang der Laufstrecke allerdings gleich stellen und machte mich auf die Verfolgung des Führungstrios. Laufen lief erstaunlich gut, mit dem schnellsten Laufsplit konnte ich Meter um Meter gut machen. Am Ende fehlten lediglich 10 Sekunden auf Platz 2 (Tom Gorges) und 30 Sekunden auf Platz 1 (Ricardo Amarell). Die Zeiten waren deutlich schneller als die Jahre zuvor obwohl aufgrund der hohen Wassertemperatur auf den Neoprenanzug beim Schwimmen verzichtet werden musste.

Somit konnte ich meinen ersten Platz im Thüringencup vorerst verteidigen.

Leider gab es entgegen der Ausschreibung keine Gesamtsiegerehrung. Eigentlich unverständlich, da es im Rahmen des “Scheunenhof Triathlons” die größte Veranstaltung mit über 150 Teilnehmern war. Außerdem in den Thüringencup mit einfließt und somit das Feld stark besetzt war. Auch hat es zwischen Rennen und Siegerehrung über zwei Stunden gedauert, was in meinen Augen zu lang ist. Ein weiteres absolutes “No-Go” war, dass das Rennen vom Kampfrichter freigegeben wurde obwohl zwei Weimarer deutlich vor der Startlinie standen und auch nach mehrfacher Aufforderung nicht zurückkamen. In so einem Fall sollte man konsequent sein und den Sportler bestrafen. Auf der anderen Seite ist das Verhalten aber auch von den Weimarern absolut unsportlich und wirft kein gutes Licht auf unseren Sport und die Nachwuchsschmiede des HSV Weimar.

Jetzt werde ich noch eine Woche relativ hart trainieren. Anschließend geht es physisch und psychisch in die Endphase der Vorbereitung für die Weltmeisterschaft am 30. August 2015 in Österreich. Ich freue mich sehr und fühle mich gut vorbereitet.

Ergebnisse gibt es hier.

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29Juli2015

30. Werratal Triathlon – Landesmeister 2015 im Triathlon

Geschrieben von Philipp in: News

Beim ältesten Triathlon in Thüringen konnte ich vergangenes Wochenende den Landesmeistertitel auf der Olympischen Distanz sichern. Noch viel schöner für mich persönlich ist allerdings die Tatsache, dass es erst mein zweiter Triathlon war, den ich in der Gesamtwertung für mich entscheiden konnte. Das erste Mal gelang es mir vor drei Jahren beim Sachsenring Triathlon.
Im Vorfeld zum Werratal Triathlon war ich ein wenig hin und her gerissen. Rein physiologisch hatte ein Start – nur zwei Wochen nach meiner Langdistanz – überhaupt kein Sinn gemacht. Psychologisch hingegen war ich schon einen Schritt weiter. Zumal es mein zweites Heimrennen ist. Meine Freundin Sarah-Alicia kommt aus Barchfeld. Schwiegereltern, Schwiegergroßeltern, Schwiegertanten, Schwiegeronkel, … wohnen alle in Barchfeld. Ich hatte quasi gar keine Wahl. Veranstalter Gert Hellmann lud uns zudem bereits letztes Jahr ein. Es sollte ein besonderer Triathlon werden. Einige Sieger der vergangenen Jahre – unter anderem Amateurweltmeister Kai Röckert, hatten ihre Zusage gegeben und waren vor Ort.

Also machten sich Dominik und ich am Sonntag auf den Weg nach Barchfeld. Wie jedes Jahr war die Veranstaltung liebevoll organisiert. Viele bekannte Gesichter zeigten sich vor dem Start. Der Druck wuchs… :roll:
Unter anderem war der aktuelle Landesmeister aus dem Jahr 2014 Reiner Wunderlich (KS Sportsworld) am Start. Letztes Jahr – beim Triathlon am Ratscher – hat er mich in allen Disziplinen deklassiert. Ich wurde am Ende Zweiter – mit deutlichem Rückstand. Schon nach dem Schwimmen lag ich etwa drei Minuten zurück. Das wollte ich dieses Jahr unbedingt besser machen. Reiner gilt als hervorragender Schwimmer und ist letztes Jahr unter den TOP15 bei der Challenge Roth aus dem Wasser gestiegen. Seinen Füßen zu folgen wäre also riskant gewesen. Wahrscheinlich hätte ich in der zweiten Runde wie ein toter Fisch mit dem Bauch nach oben im Wasser gelegen. Oder hätte ein Sauerstoffzelt vor dem Radfahren gebraucht.
So schwamm ich an Position vier liegend hinter Stefan Hochstein (Triathlon Jena). Auch er war früher ein ziemlich schneller Athlet der unter anderem auch schon hier gewonnen hatte. Letztes Jahr hatten wir uns noch in der Liga duelliert. Zusammen mit ihm und Lokalmatador Philip Morgenweck stiegen wir etwa eine Minute hinter dem enteilten Reiner Wunderlich aus der Kiesgrube. EINE MINUTE? Super!! Damit lies es sich leben.

Da ich mich entschied Socken vor dem Radfahren anzuziehen, verlor ich den Anschluss an das Duo Morgenweck/Hochstein. Letzteren konnte ich allerdings relativ schnell stellen. Auf dem Rad musste eine 11km Runde mit einem ordentlichen Anstieg vier Mal gefahren werden (44Kilometer). Die ersten zwei Runden blieb ich in Sichtkontakt hinter Philip Morgenweck. Für ihn war es ein Heimspiel und er war ein starker Radfahrer. In Runde drei erhöhte ich allerdings die Schlagzahl, da ich die Chance witterte, vor dem abschließenden Lauf auf den führenden Wunderlich aufzuschließen. Dies gelang uns schneller als erwartet. Philip hatte überall an der Strecke seine Spitzel, die uns die Rückstände verrieten. Das war genial. Als Führungstrio ging es dann in die letzte Runde. Von hinten schien keine Gefahr, also trödelten wir ein wenig. Ich persönlich hatte kein Interesse weiterhin Vollgas auf dem Rad zu geben. Auf dem Papier war ich der stärkste Läufer. Dementsprechend gab es noch zwei bis drei Attacken von den anderen Zweien. Einen Vorsprung konnte aber keiner auf den letzten zehn Kilometern rausfahren, so dass wir zu dritt auf den abschließenden 10km Lauf gingen.

Dort machte ich von Anfang an Druck und konnte mich recht schnell distanzieren. Eine abwechslungsreiche 10km Wendepunktstrecke wartete auf uns. Als ich bei der Wende einen komfortablen Vorsprung hatte, nahm ich auf dem Rückweg an Tempo raus, um physiologisch nicht noch weiter in den Keller zu fallen. Am Ende gewann ich mit drei Minuten Vorsprung vor Philip Morgenweck und Reiner Wunderlich.

Sarah-Alicia wurde Zweite bei den Frauen. Da die erste aber aus Hessen kam, wurde auch sie Landesmeisterin. Ein super Wochenende also für uns (:

Ergebnisse gibts hier.

Jetzt liegt der Fokus zu 100% auf der anstehenden 70.3 Weltmeisterschaft Ende August in Zell am See. Das meiste Potential habe ich zur Zeit beim Laufen. Daran muss ich im August konsequent arbeiten. Ich freue mich darauf.

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20Juli2015

Die Schmerzen groß, der Wille größer – mein Langdistanzdebüt in Roth

Geschrieben von Philipp in: News

Auf die kürzeste Nacht des Jahres folgte der längste Tag. Das war tatsächlich ein richtiger Arbeitstag. Knapp über 10 Stunden benötigte ich für die 3,86km Schwimmen, 180km Radfahren und 42,195km Laufen. Eine tolle Erfahrung. Ein Tag mit einigen Höhen und Tiefen; allein vom menschlichen Biorhythmus hergeleitet klingt das logisch. Aber von vorne:
Bereits am Freitag reisten wir an. Diesmal waren wirklich alle dabei. Sarah mit ihren Eltern, meine Eltern, Dominik und viele andere bekannte Gesichter aus der Triathlonwelt. Das war wirklich großartig! Am Freitag holte ich noch meine Startunterlagen ab und schlenderte einmal über die Messe. Das war wirklich eine Superlative. Von der Anmeldung, über die Messe bis zu meinem Zieleinlauf. So etwas habe ich noch nie gesehen. Zum Wettkampf sollen 260.000 Triathlonbegeisterte an der Strecke gewesen sein, 6.000 Helfer, 3.500 Einzelstarter, etwa 600 Staffeln. Ausnahmezustand im ländlichen Roth. Hier lebt die ganze Region den Triathlon. Das war auch der Grund warum ich meine erste Langdistanz in Roth machen wollte. Bereut habe ich es nicht!

Samstag bin ich nochmal ein paar Kilometer auf dem Rad gefahren und habe einen kleinen Koppellauf gemacht. Anschließend das Rad eingecheckt. Insgesamt habe ich die zwei Wochen vor der Langdistanz aufgrund eines Infektes nicht trainiert. Eigentlich kam mir mein “Männerschnupfen” aber sogar entgegen. Somit wurde ich nicht verleitet mich kurz vor dem Wettkampf “müde” zu trainieren.
Körperlich war ich also super ausgeruht. Samstag Abend waren Dominik und ich noch ein leckeres Steak bei Maredo in Nürnberg essen. Dann ging’s ins Bett. Für vier Stunden konnte ich dann sogar die Augen zudrücken. Kurz nach drei Uhr klingelte der Wecker. In wenigen Stunden ging es los. Ein kurzes Frühstück und dann fuhren wir auch schon nach Hilpolstein zum Schwimmstart. Vorher nochmal kurz auf den Zeltplatz zum Rest des “Fanblocks” und in die Wechselzone letzte Vorbereitungen treffen.

6:30 Uhr starteten die Profis, eine halbe Stunde später war mein Start. Mit den schnellen Agegroupers in Startgruppe 4. Die Kulisse am Schwimmstart – kurz nach sechs Uhr – war beindruckend. Tausende Zuschauer an einem Sonntag um diese Uhrzeit schon auf den Beinen. So etwas hatte ich noch nicht erlebt. Das gab zusätzliche Motivation.

Schwimmen wollte ich locker angehen. Bin ich doch noch nie mehr als 2km am Stück geschwommen. Selbst im Training nicht. Da wir im Kanal geschwommen sind hatte ich keine Probleme mit der Orientierung, es ging quasi immer geradeaus, bis zum Wendepunkt und zurück. Durch die insgesamt 16 Startwellen verteilte sich das Feld auch sehr gut, sodass es wenig “Geprügel” im Wasser gab. Meine Taktik war, schnelle Beine zu finden um selber Kräfte für das Radfahren und Laufen zu sparen. Die ersten 3.000m ging die Taktik auch gut auf, danach wurde es aufgrund Überholmanöver der Startgruppen, die vor uns gestartet sind, ein wenig unübersichtlich und ich war auf mich gestellt. Nach 57:48min konnte ich das Wasser verlassen. ‘Das lief gut’, dachte ich mir. Hatte mein Schwimmtrainer Jürgen doch gewettet, dass ich nicht unter einer Stunde bleiben werde.

Auf dem Rad versuchte ich mich von anderen nicht beeindrucken zu lassen und fuhr mein Rennen. Alle 30km nahm ich ein Gel, regelmäßig trank ich und kühlte Nacken und Oberschenkel mit Wasser. Es sind zwei Runden zu absolvieren. Es gibt nur wenige bissige Anstiege, dafür eine lange Abfahrt. Nach 90km war ich bei 2:26h. ‘Fantastisch’, dachte ich mir. ‘Ich war auf Kurs unter 5h’, keine 10km später ist mir das Grinsen aber schon vergangen. Ich konnte nicht mehr in der Aeroposition fahren. Starke Rückenschmerzen zwangen mich zu aufrechter Position, ständiges Dehnen, Wiegetritt sogar auf Bergabpassagen. Mein Körper war es nicht gewohnt, solange in Aeroposition zügig zu fahren. Vielleicht auch ein wenig fehlendes Stabitraining im Vorfeld. Ich war ziemlich am Boden zerstört und wusste auch noch nicht genau wie ich die folgenden  80km überstehen sollte und vor allem den abschließenden Marathon.
So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Unter ziemlich starken Schmerzen pedalierte ich dann Wechselzone 2 entgegen. Motivationen waren meine Supporter und der Solarer Berg. Die Radzeit war natürlich dahin, die zweite Radrunde fuhr ich 20min langsamer als die erste. Ich stand vor einer schweren Entscheidung. Das Rennen hier zu beenden oder mich auf eine 42km langen Wanderung zu begeben.

Ich entschied mich für die zweite Möglichkeit und stiefelte erst einmal los. Die ersten 500m war an laufen nicht zu denken. Ich versuchte am Streckenrand meinen Rücken zu dehnen. Gar nicht so einfach – auch wenn es ein so großer Muskel ist. Zum Glück ging es die ersten Kilometer erst einmal Bergab. Von den Zuschauern angepeitscht, versuchte ich wieder loszutraben. Es ging besser als erwartet: ‘Also gut’, dachte ich und ging das Projekt Marathon an. Um mich zeitmäßig nicht unter Druck zu setzen, hatte ich das gesamte Rennen keine Uhr dabei. Lediglich auf dem Rad den Tacho. Ich konnte mich tatsächlich wieder ganz gut fangen und war plötzlich wieder im (Wett)Kampfmodus.

Die Laufstrecke ist überwiegend flach, am Anfang geht sie ziemlich lange am Kanal entlang. Immer geradeaus. Alle 2km war eine Verpflegungsstelle wo ich jedes mal Cola zu mir nahm. Ab und zu ein Gel. Regelmäßig Wasser für den Nacken. Die Temperaturen waren mittlerweile auf über 30 Grad angestiegen, Schatten gab es kaum. Gut verteilt über die gesamte Laufstrecke stand mein Supporterteam.
Ihr ward wirklich große Klasse an diesem Tag!! Habt mir immer wieder ein Lächeln ins Gesicht gezaubert auch wenn mir nicht mehr danach war (: Bis Kilometer 26 kam ich auch ohne Gehpause davon. Danach zwang mich die innere Erschöpfung immer wieder zu kurzen Gehpausen. Muskulär (vom Rücken mal abgesehen) hatte ich an diesem Tag keine Probleme. Keine Krampfansätze in den Beinen. Hätte ich im Vorfeld nicht gedacht. Bei Km 30 fragte ich eine Zuschauerin wie spät es sei. “16 Uhr”, antwortete sie. Dominik hatte gesagt, wenn ich nicht vor 18 Uhr zurück bin, fährt er ohne mich nach hause. (: Zwei Stunden für 12 Kilometer sollte ich schaffen. Theoretisch sollte dafür auch eine Stunde reichen, dachte ich mir. Praktisch wäre das aber ein ganz schöner Kampf gegen die Uhr und den wollte ich bei meiner ersten Langdistanz ja bewusst vermeiden.
Dass ich die 10h nicht knacken werde, war mir also 12 km vor dem Ziel bereits bewusst und wurde auch ziemlich schnell zur Nebensache, da ich die letzten Kilometer ganz schön mit mir zu kämpfen hatte.

Überglücklich erreichte ich dann in knapp über 10 Stunden das Ziel in Roth. Die Stimmung war fantastisch und ich total zufrieden, es nach den Strapazen auf dem Rad doch noch geschafft zu haben.

So eine Langdistanz ist nun doch kein Kindergeburtstag. Der Trainingsaufwand noch einmal bedeutend größer als bei einer Mitteldistanz. Wenn ich überlege, dass ich mich auf meine drei Marathons in der Vergangenheit alleine 12 Wochen explizit vorbereitet habe.
Bei meiner nächsten Langdistanz steht dann natürlich die Zeit mehr im Vordergrund. Jetzt weiß ich ja was auf mich zu kommt und eins steht fest: Ich will nach Hawaii!!
Für meine erste Langdistanz 2015 habe ich mein Ziel zu 95 Prozent erreicht. Lediglich das Verpassen der 10h Marke ist ein kleiner Wehmutstropfen.

Bleibt mir noch “Danke” zu sagen. An das weltbeste Supporterteam. Ihr wart absolut SPITZE! Allen voran an Dominik, der die Startgebühr und Unterkunft gesponsert hat. Vielen Dank auch an meinen Trainer Peter und an alle anderen die mir die Daumen vor Ort oder aus der Ferne gedrückt haben. Die Eindrücke bleiben, der Muskelkater vergeht schon
… irgendwann.

Einzelergebnis gibts hier.

 

 

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