21. Juli 2011

Hamburg – ein perfektes Triathlon Wochenende

Geschrieben von Philipp in: News .

Naja, ein bißchen Stress war es dann doch….
Die letzten zwei Wochen war ich zum Theorieblock an der internationalen Berufsakademie in Heidelberg. Um nicht von Heidelberg über Erfurt nach Hamburg zu fahren, entschied sich Dominik, mich in Heidelberg abzuholen. So ging es Freitag nach der Uni erst noch einmal zum Arzt (meine Rücken- und Schulterschmerzen waren zu diesem Zeitpunkt unerträglich). Vielen Dank an dieser Stelle noch einmal an Jan und Dominik für den Termin und an Dr. med. Andreas Venninger, der sich nach Dienstschluss trotzdem noch so viel Zeit für mich genommen hat. Danach ging es auf direktem Weg in die knapp 600 Kilometer entfernte Hansestadt Hamburg. Zum Glück gab es das ein oder andere McDonald’s Restaurant an der Strecke, so dass meine Kaffeesucht gestillt werden konnte :) .

Am nächsten Morgen holten wir dann die Startunterlagen ab und am Nachmittag fand dann auch schon das erste Profirennen statt. Bis auf den Thüringer Steffen Justus (Virusinfekt) waren alle Hoffnungsträger der Deutschen am Start. Gerade Jan Frodeno wurden gute Chancen auf den Tagessieg zugesprochen, weil die starken Brownlee – Brüder in Hamburg nicht antraten.
Nach dem Schwimmen sah es auch hervorragend für unsere Jungs aus. Frodeno und Petzold unter den Top10.  Den Anschluss halten konnte dieses Mal auch der sympathische Langdistanz-Weltmeister Chris McCormack. Auf dem Rad gab es keine Vorentscheidung, außer für Publikumsliebling Jan Frodeno, der einen Defekt am Rad hatte, jedoch das Rennen – zur Freude der über 200.000 Zuschauer an der Strecke – fortsetzte. Aus deutscher Sicht blieb es dennoch mehr als spannend.
Sebastian Rank und Jonathan Zipf konnten das Tempo bis auf die Zielgerade mitgehen. Rank finishte noch vor Weltmeister Javier Gomez, der kaputt und enttäuscht wirkte. Gewonnen hat das Rennen Brad Kahlefeldt (AUS) vor William Clarke (GBR) und David Hauss (FRA). Gomez konnte dennoch aufgrund Brownlee´s Abwesenheit die WM-Führung übernehmen. McCormack finishte als 26.. Jan Frodeno machte nicht nur Stimmung auf der Laufstrecke sondern sogar noch Plätze gut und wurde am Ende 43..
Bereits am 07. August findet das nächste ITU Weltcup Rennen in London statt, bei dem auch die ersten Olympia-Qualifikationsplätze vergeben werden.

Es hat riesigen Spaß gemacht, das Profirennen anzuschauen und gleichzeitig eine super Motivation für meinen Wettkampf am nächsten Tag. Über 3.500 Starter waren für die olympische Distanz gemeldet. Hamburg gilt als die größte Triathlonveranstaltung in der Welt.
Da ich in Heidelberg nur zwei mal aufs Rad kam, bin ich am Nachmittag dann noch mit einem der besten Hamburger Triathleten, Hauke Claas Heller (ihn hatte ich beim 70.3 auf Mallorca kennengelernt), eine Runde Rad gefahren. Er zeigte mir eine seiner windigen Trainingsstrecken. Es hat auf jeden Fall richtig Spaß gemacht und ich bekam noch einige Tipps für die Wettkampfstrecke.
Würde ich ihn auf seiner Heimstrecke ein wenig ärgern können? …
Wenn man sich das Gesamtergebnis anschaut, ist die Antwort schnell gegeben: nein, konnte ich leider nicht.

Chris McCormack schreibt in seinem Buch “I’m here to win”: “This is the problem with some people in our sport: they watch results, not races.” Das Ergebnis mit Gesamtplatz 19 und dem 2. Platz in der AK sieht bei 3.500 Startern erst einmal vielversprechend aus, aber wie verlief eigentlich das Rennen?

Ich startete um 7:10 Uhr in der zweiten Welle von insgesamt 26. In jeder Welle starteten etwa 140 Triathleten. Schwimmen lief vom Gefühl her eigentlich ganz gut. Es wurde in der Alster geschwommen. Sie ist ziemlich dreckig, trotzdem konnte ich mich gut orientieren. Bis zur ersten Wendeboje (nach ca. 600m) hatte ich eine gute Gruppe, danach wurde mir das Tempo zu langsam und ich versuchte die Flucht nach vorne. Mit ziemlich genau 25 Minuten kam ich aus dem trüben Wasser. Leider nicht so schnell wie von mir erhofft! Egal! 200m bis zur Wechselzone und noch einmal 600m bis zu meinem Rad. Wechsel lief gut, mehr aber auch nicht.
So ging es dann als Dritter in meiner Welle auf die Radstrecke. Noch ein wenig angefressen aufgrund meiner mäßigen Schwimmzeit, arbeitete ich mich akribisch von Platz zu Platz in die erste Startwelle vor. Einen genauen Überblick hatte ich zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr.
Zweiter Wechsel: lief besser als der Erste. Erneut hieß es fast 800m durch die Wechselzone zu sprinten bevor es auf den abschließenden 10Km Laufkurs ging. Dieser war eine Wendepunktstrecke, man konnte also den Gegnern nach dem Wendepunkt direkt in die Augen schauen. Als ich bei Kilometer 4 den Ersten auf der Gegenseite mit dem Führungsrad sah, war ich kurz verunsichert?! War ich jetzt zwei Kilometer hinter dem Führenden meiner Startwelle oder war es der Gesamtführende? Als mir ein Helfer dann zurief, ich sei 12. im Gesamtfeld, wusste ich, dass das heute mit einer konstanten Laufleistung ein großes Ding werden könne.
So lief ich die zweiten 5 Kilometer, dank Dominik´s Motivationsansprachen, noch mal ein wenig schneller und wurde vor einer grandiosen Kulisse im Ziel, wo auch meine Freundin und ihre Mutti auf mich warteten, als Gesamtsiebter vom Sprecher begrüßt. Ich war baff, waren doch bereits rund 140 Athleten aus der 1. Startwelle 10 Minuten vor mir gestartet.
In der ersten vorläufigen Ergebnisliste erfuhr ich dann, dass ich momentan Gesamtzweiter hinter dem späteren Gesamtsieger aus Dänemark war. Jetzt ging das Zittern los. 24 Wellen kamen ja noch. Unter anderem auch Hauke´s Startwelle, die um 09.00 Uhr losgeschwommen war und sich zu diesem Zeitpunkt auf der Radrunde befand. Eine Stunde später war ich 12., aber immer noch erster in der Altersklasse. Leider nur bis knapp zwei Stunden nach meinem Zieleinlauf, denn Hauke machte mir dann tatsächlich noch den Altersklassensieg streitig. Ziemlich deutlich sogar, er wurde am Ende Gesamtsiebter. So musste ich mich wenigstens nicht darüber ärgern, dass ich nicht hier und da noch die ein oder andere Sekunde rausgeholt habe. Letztendlich habe ich den Sieg in der AK beim Schwimmen an Hauke verloren. Da hat mir der ehemalige Schwimmer fast fünf Minuten abgenommen. Zwischen Hauke und mir steht es nach Mallorca jetzt 1:1. Fortsetzung folgt…

Am Nachmittag ging es dann für Dominik zurück nach Heidelberg zum Franchise-Nehmer Meeting und für mich zurück nach Erfurt. Das Frauen WM Rennen konnten wir leider nicht mehr sehen.

Was bleibt für mich als Resümee nach dem Rennen? Eine Hammer Atmosphäre auf der Strecke, die ich auf jeden Fall mitnehmen werde. Einen höheren Ruhepuls, da durch die vielen Starts der Wellen das endgültige Ergebnis erst kurz nach 14 Uhr feststand und meine Augen nach jedem Zielsprint anderer Triathleten gleich den checkenden Blick auf die Anzeigetafel unter dem Zielbogen mit der Nettozeit folgten. Die Tatsache, dass Schwimmen immer noch nicht so läuft wie ich das gerne hätte und ich mich in den anderen beiden Disziplinen gut behauptet habe. Und ein paar Tage Muskelkater :) .
Dennoch war es ein perfektes Triathlon Wochenende!!

Jetzt eine Woche Nachtschichten und am Sonntag gehts zum Triathlon nach Leipzig, mit einem hochklassigen Starterfeld. Ich freue mich schon!!
Philipp

Ein Kommentar bisher...

Thomas schrieb:

21. Juli 2011 um 21:21 Uhr

Toller Bericht und super Fotos !

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