23. September 2012

Ein gelungener Test vor Berlin. Zeitlos.

Geschrieben von Philipp in: News .

Am 9. September absolvierte ich meinen letzten Triathlon für dieses Jahr. Dort verausgabte ich mich so sehr, dass ich eine Woche nicht mehr laufen konnte. Man könnte meinen, dass diese Konstellation eine absolute Saisonfehlplanung war. Man könnte es nicht nur meinen, es ist sogar so. Nicht das drei Wochen für eine Marathonvorbereitung eh schon mehr als knapp gewesen wären. Nun waren es nur noch zwei. Montag habe ich dann gleich mal einen 35er gemacht. Freitag noch einen 30er hinterhergeschoben. Dienstag bis Donnerstag jeweils 10 bis 20 Kilometer. Mal schneller, mal langsamer. So richtig gut gefühlt habe ich mich nie. Ehrlich gesagt sogar genau das Gegenteil: richtig müde und ausgepowert.

So ging es heute mit schweren Beinen zum Steigerlauf. Ich mag diesen Lauf. Erstens wird er von meinem Verein ausgetragen. Zweitens ist die Strecke anspruchsvoll und drittens, wollte ich einfach mal wissen wo ich eine Woche vor meinem 2. Marathon stehe. Das Feld ist jedes Jahr sehr gut besetzt. Immer die gleichen Verdächtigen, das macht allerdings die Standortbestimmung um einiges leichter. Der Nachteil bei einem Heimrennen ist, dass man es nicht schafft, sich richtig warm zu machen. Man kennt jede Menge Leute und es gab richtig viel zu erzählen. Dann habe ich es doch noch geschafft loszukommen und habe mich mit unserem McDonald’s Triathlon Juniorteam eingelaufen. Kenneth, Robert und Tilmann sind heute das erste mal die 13 Kilometer mitgelaufen. Wenn das so weiter geht, kann ich maximal noch ein bis zwei Jahre mitlaufen, danach sollte ich zum Walking wechseln, wenn ich nicht den kürzeren gegen unseren Nachwuchs ziehen möchte. Die Jungs sind schon verdammt schnell unterwegs!!

Heute hat es noch gereicht. Vielleicht lag es an den neuen Laufschuhen, die ich von Dominik zum Geburtstag bekommen habe. Für Berlin. Zum Steigerlauf wollte ich sie einlaufen.
Mit 25 wird man langsam erwachsen und erkennt, dass man nicht alles mit Gewalt lösen kann. Die letzten Jahre bin ich meist zu schnell angegangen und habe hintenraus immer ganz schön auf die Mütze bekommen. Da mir diese Woche bereits über 100km in den Beinen steckten, wusste ich sowieso, dass mir jegliche Spritzigkeit fehlen würde und versuchte es mit Erfahrung zu kompensieren (Aus diesem Grund lief ich sogar ohne Uhr). So ging es heute recht locker in der Verfolgergruppe um Sören Föt (LOK Arnstadt), Rene Große (Erfurt) und Björn Illing (TU Ilmenau) los. Verfolgt haben wir – wie eigentlich jedes Jahr – Marcel Knape (USV Erfurt). Dieses Mal hatte er noch einen mutigen Begleiter – Christoph Weigel aus Sonneberg (LA Sonneberg).
Ich kannte ihn nicht und gab mich bereits nach drei Kilometern damit ab, dass ich maximal Dritter werden kann. Und dafür müsste schon alles glatt laufen. Da ich mich aus der Laufszene dieses Jahr komplett zurückgezogen habe, konnte ich weder Rene noch Sören einschätzen. Mit dem Hintergrundgedanken, es auf keinen Zielspurt ankommen zu lassen, versuchte ich mein Glück nach etwa drei Kilometern mit der Flucht nach vorne. Irgendwann tauchte der Sonneberger Weigel auch wieder unmittelbar vor mir auf. Das motivierte mich, dazu kam, dass Dominik genau an diesem Punkt der Strecke stand und mich anfeuerte.
Ich fühlte mich gut und setzte mich nach acht Kilometern ein paar Meter von ihm ab. Von nun an ging es – abgesehen vom Schlussanstieg – bergab. Keine 50m vor mir der führende Marcel Knape. WAAAAS?? Falscher Film? Krämpfe? Kein Bock mehr? Umgeknickt? Ich ließ mich nicht zweimal bitten, und lief auf ihn auf. Als ich mich vergewissert hatte, dass es ihm gut ging, genoss ich es bis kurz vor dem Ziel Seite an Seite mit ihm zu laufen. Im Führungsduo. Das klang super und muss verdammt gut ausgesehen haben. Die paar wenigen Zuschauer und vielen Helfer im Steiger feuerten uns an.

‘Wie mache ich das jetzt am dümmsten’, überlegte ich. ‘Tempo aufnehmen und mal Herausforderer spielen oder Tempo rausnehmen und für den abschließenden Berg Körner sparen?!’ Ich entschied mich für letzteres und eh ich mich versah war es auch schon wieder ein Spitzentrio. ‘Verdammt’, dachte bzw. sagte ich sogar. Die Beine waren auf einmal schwerer denn je. Die Motivation im Keller. Ich musste ein paar Meter abreißen lassen. Wir liefen an den letzten Berg. Von hier aus waren es noch genau 1.000m zu laufen. Nur hochwärts. Nach hinten war Luft. Christoph schien Probleme zu haben. Meine Chance, mir meinen hart umkämpften zweiten Platz wieder zu holen. Nach vorne ging nichts mehr. Marcel hatte das Rennen die ganze Zeit unter Kontrolle. Hätte ich noch Luft gehabt, hätte er gekontert.

Soviel ist klar. Vor einer Woche ist er beim Nachtlauf in Erfurt auf 10 Kilometern knapp 31 Minuten gelaufen. Der Junge läuft in seiner eigenen Liga und es war für mich heute dennoch eine riesen Ehre, mit ihm ein paar Kilometer Seite an Seite laufen zu dürfen. So lief ich überglücklich 17 Sekunden hinter Marcel Knape als Zweiter ins Ziel. Danke für diese tolle Unterstützung an der Strecke!! Unsere Helfer sind einfach nur Weltklasse. Die Organisation – von der Anmeldung bis zur Siegerehrung – ein Traum!

Ergebnisse gibt es hier. (Es sei noch angemerkt, dass die Ergebnisse bereits zwei Stunden, nachdem ich im Ziel war, online waren. Auch das spricht für eine makellose Organisation!!)

Generalprobe vor Berlin ist geglückt. Ich freue mich sehr auf nächste Woche!!! Mit der richtigen Renntaktik kann ich das fehlende Training vielleicht kompensieren. Mit drei Mitteldistanzen in diesem Jahr habe ich ja auch eine gewisse Grundlage geschaffen. Meine ganze Familie wird mich in Berlin unterstützen. Zusätzlich viele Freunde. Das wird ein tolles Event. Danach ist erst mal “off-season” angesagt. Vier Wochen Klettern, Beachvolleyball oder einfach mal rumgammeln. Vielleicht auch länger. Solange bis ich wieder Lust verspüre auf dem Rad zu sitzen, Kacheln zu zählen oder Kilometer im Steiger zu absolvieren. Am 13. Oktober findet die Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii statt. Zwar ohne einer Tüte Chips in der Hand, dennoch gemütlich auf der Couch. Mit den anderen schnellen Burgern der Regionalliga in Erfurt (:

Philipp

3 Kommentare bisher...

Andypohle schrieb:

24. September 2012 um 19:29 Uhr

Hey Philipp,

es ist mir schon seit längerem aufgefallen, du schreibst unheimlich ehrliche Rennberichte.
Es tut gut zu lesen dass man mit einem Maß an sportlichen Niveau wie du es hast am Boden bleiben kann.

Mach weiter so und gute Beine in Berlin !

Grüße Andy

Mama schrieb:

27. September 2012 um 01:19 Uhr

Hallo Großer!Schön geschrieben!gratulation zum guten Platz!Das kann in Berlin nur gelingen-mit Mama an der Strecke!

Mama schrieb:

27. September 2012 um 01:21 Uhr

Erwarte dich halb zwölf im Ziel,oder?

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