3. Oktober 2012

Der endlose Kampf gegen die Uhr – PB beim Marathon in Berlin.

Geschrieben von Philipp in: News .

Hallo Philipp,

mit Berlin, das ist eine kurze Trainingszeit.

Morgen 16 km locker
Do. 18 km mit 10 x150 langer Schritt; Pause 1 min
Fr.  30 km locker
Sa. 12 km mit 5 km HF-170
So. 40 km locker Beine ausfahren

Mo. 8 x1.000m in 3:15; Pause 5 min
Di. 10 km locker
Mi. 8 km locker mit 10 x150 langer Schritt; Pause 1 min
Do. 6 km locker
Fr.  20 km locker Rad
Sa. 8 km locker
So. 2:36 h locker Laufen durch Berlin

Grüße aus Solingen,
Peter

Das war die letzte Mail von meinem Trainer nach meinem letzten Triathlon 2012 – dem BerlinMan. Knapp über eine Woche Vorbereitungszeit für einen Marathon. Das der Marathon nicht optimal gelegt war, hatte ich ja im letzten Blog schon erwähnt. “Wer nicht hören will muss fühlen”, hätte meine Mutti früher gesagt. Das trifft es sogar ziemlich gut:

Treppen laufe ich momentan rückwärts runter, jeden zusätzlichen Schritt am Tag überlege ich mir zweimal. Am Ende blieb die Uhr für mich bei 2:42:13 h stehen. Kurz darauf eine Nachricht von meinem Trainer: “Gut gemacht!” Puh. Er war scheinbar zufriedener als ich direkt nach dem Zieleinlauf. Das stimmte mich dann doch ein wenig zufriedener.

Aber von Anfang an: Samstag hatte ich noch eine Frühschicht. So ging es direkt nach der Arbeit mit dem Zug nach Halle und von dort mit Dominik nach Berlin. Ein bisschen Zeitdruck hatten wir schon, denn 18 Uhr schloss die Messe auf dem alten Flughafengelände Berlin Tempelhof. Dort gab es die Startnummern. Das haben wir noch gerade rechtzeitig geschafft. Jetzt war ich auch so richtig heiß auf den Marathon!! Trotzdem konnte ich ruhig schlafen und so stand ich dann am nächsten Tag topfit an der Startlinie des 39. BMW Berlin Marathon zwischen gut 40.000 anderen Läuferinnen und Läufern aus 125 Nationen. Vor dem Start hatte ich mich mit einem Freund aus Bayreuth getroffen. Wir wollten den Marathon zusammen laufen.

Moritz auf der Heide kam beim diesjährigen Fisherman’s Friend StrongmanRun am Nürburgring ein Platz hinter mir als fünft Platzierter ins Ziel. Seine Marathonbestzeit lag bei 2:43h; meine bei 2:45h. Vor ein paar Wochen wollten wir sogar zusammen den Gore-Tex Transalpine-Run bestreiten. Bei mir passte es dieses Jahr nicht rein. Allerdings ist dieses Projekt nur aufgeschoben und nicht aufgehoben. Er lief ihn trotzdem.

Punkt neun Uhr ging es los. Wir starteten im Block B (Bestzeit zwischen 2:40h und 2:50h). Die ersten Kilometer waren unfassbar. Die Stimmung in Berlin ist der Hammer. Ich hatte richtig Gänsehaut und musste mich ganz schön bremsen, nicht gleich am Start alle Körner zu verschießen. Ich war Realist genug, um einschätzen zu können, dass ich (noch) keine 2:36h laufen kann. Unser Ziel waren 2:40h. Das heißt 3:48 Minuten pro Kilometer. Genau diese Pace gingen wir an. Schnell fanden wir ein konstantes Tempo. Die ersten zehn Kilometer verliefen tatsächlich – wie von Peter erwartet – locker. Absolut konstant und leichtfüßig. Auch die Halbmarathonmarke durchliefen wir planmäßig in 1:20h. Zwei Minuten langsamer als vor zwei Jahren bei meinem Debüt in Frankfurt. Dort bin ich bei Kilometer 35 vollkommen “eingebrochen” und konnte mich nur noch mit Krämpfen und auf dem rohen Zahnfleisch ins Ziel “retten”.

Dieses Mal wollte ich konstant laufen. Im Idealfall sogar den zweiten Halbmarathon ein paar Sekunden schneller als den Ersten. Bis Kilometer 32 glaubte ich auch noch fest an den Plan. Danach hatte ich ein paar kleinere Wehwehchen. Ich musste Moritz ziehen lassen und selber ganz schön kämpfen. Hier machten sich die fehlenden Kilometer bemerkbar. Ab Kilometer 30 begab sich mein Körper sozusagen auf Neuland. Ich musste mich ganz schön quälen und verlor zwischenzeitlich über zehn Sekunden pro Kilometer.

Dennoch machte ich weitere Plätze gut. Die Stimmung von Freunden und Familie an der Strecke motivierte mich. Meine Freundin begleitete mich sogar ein paar Kilometer mit den Inlinern. (Jetzt hat sie auch Muskelkater ;-) ) Dominik stand mit Cola an den entscheidenden Stellen und sorgte bereits im Vorfeld wieder dafür, dass ich sorgenlos am Start stehen konnte. Mein kleiner Cousin feuerte mich mit meinem Onkel und Mutti an. Meine Schwiegereltern standen ebenfalls mehrfach an der Strecke. Es bedarf einer logistischen Meisterleistung, mehrfach an der Strecke zu stehen, da für so ein Megaevent die Stadt halt auch einfach mal lahmgelegt wird. Trotzdem stand immer jemand bekanntes an jeder Ecke!  Obwohl sie meinen Vater, der kurz hinter mir unterwegs war, immer noch abgepasst haben. Es ist ein geiles Gefühl, wenn man Gesichter an der Strecke sieht, die einem vertraut sind und genau wissen wie man sich gerade fühlt. Gerade wenn man ein kleines Tief hat. Ihr habt mich alle absolut verzaubert und mich dermaßen gepusht!! D A N K E!!!!!

Natürlich sind auch die anderen 999.982 Zuschauer an der Strecke nicht zu vernachlässigen ;-) . Zusätzlich stand an fast  jedem Kilometer eine Sambaband oder ähnliches, die richtig für Stimmung gesorgt haben.

So habe ich mich dann relativ entspannt auf die Zielgerade gequält. Und hier ging erst Recht der Punk ab!! Ich ließ es mir nicht nehmen, Jan Fitschen – der gerade auf der Zielgeraden eine Ehrenrunde gab – für seine grandiosen 2:13:10h zu gratulieren, bevor ich selber die letzten 200 Meter in Angriff nahm. Bei 2:42:13h blieb für mich die Uhr stehen.

Neue persönliche Bestzeit um über drei Minuten gesteigert! Die Renneinteilung lag mir mehr, trotz 10 Wochen weniger Vorbereitungszeit als vor Frankfurt. Deshalb bin ich mittlerweile auch echt zufrieden mit der Zeit. Direkt nach dem Zieleinlauf war ich erst einmal untröstlich, da ich mein persönliches Ziel – unter 2:40h zu bleiben – verfehlte. Doch laut René ist nach dem Wettkampf vor dem Wettkampf: In zwei Jahren nehme ich diese Hürde erneut in Angriff. Moritz lief übrigens eine 2:39:02h. Er hat unseren Plan in die Tat umgesetzt. Geiles Rennen!!!(Ganz nebenbei eine geglückte Revanche für den StrongmanRun, wo ich Moritz auf den letzten Kilometern souverän alt aussehen lassen habe *frechgrins*) Nach einer gemütlichen Kaffeerunde mit Papa und dem gesamten Supportteam am Potsdamer Platz, ging es dann auch relativ schnell wieder zurück nach Erfurt. Studium ist vorbei, somit auch der Welpenschutz. So durfte ich gleich noch meinen ersten Monatsabschluss auf Arbeit bestreiten. (Hat aber Spaß gemacht ;-) )

Gewonnen hat übrigens Geoffrey Mutai aus Kenia. Er lief mit einer Zeit von 2:04:15h neue Weltjahresbestleistung. Ihm folgten übrigens acht weitere Kenianer.

Ergebnisse gibt es hier.

Mein persönliches Ergebnis mit Durchgangszeiten hier.

Eine kleine Zusammenfassung vom Rennen auf Youtube gibt es hier.

Bei mir folgt jetzt erst einmal meine Saisonpause nach einer tollen Saison 2012. Sieben Wochen Beine hochlegen und Kräfte tanken für 2013. In ein paar Wochen werde ich mir auch mal ein paar Gedanken zur Saisonplanung 2013 machen.

Vielleicht schreibe ich meinen nächsten Blog mal über ein paar Alternativsportarten in der Off-Season.

Bis dahin,

Philipp

 

3 Kommentare bisher...

Moritz schrieb:

3. Oktober 2012 um 10:02 Uhr

Wahnsinns Leistung! Komischerweise hast Du im Ziel viel fitter ausgeschaut als ich. Ich glaube ja, Du kannst dich nicht quälen und könntest locker ne 2:30:00 laufen! ;) laufe gerne wieder mit Dir nen Marathon. Bis km 32 haben wir echt gut funktioniert! Viel Spaß beim Gammeln in den nächsten Wochen!!!!!!!

Moritz

Philipp schrieb:

3. Oktober 2012 um 12:29 Uhr

2:25h sogar ((: Habe mir vorher genau angeschaut wo die Fotografen stehen. Fit auszusehen ist nämlich viel wichtiger als <2:40h zu laufen. (((;

Wilfried Krause schrieb:

6. Oktober 2012 um 08:18 Uhr

Sehr gute Leistung, es war wie immer spannend Dich neben der Strecke zu begleiten.
Glückwunsch auch an Deinen Papa und an den schönen Bericht über den Marathon von Berlin.

Wilfried

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