20. Juli 2015

Die Schmerzen groß, der Wille größer – mein Langdistanzdebüt in Roth

Geschrieben von Philipp in: News .

Auf die kürzeste Nacht des Jahres folgte der längste Tag. Das war tatsächlich ein richtiger Arbeitstag. Knapp über 10 Stunden benötigte ich für die 3,86km Schwimmen, 180km Radfahren und 42,195km Laufen. Eine tolle Erfahrung. Ein Tag mit einigen Höhen und Tiefen; allein vom menschlichen Biorhythmus hergeleitet klingt das logisch. Aber von vorne:
Bereits am Freitag reisten wir an. Diesmal waren wirklich alle dabei. Sarah mit ihren Eltern, meine Eltern, Dominik und viele andere bekannte Gesichter aus der Triathlonwelt. Das war wirklich großartig! Am Freitag holte ich noch meine Startunterlagen ab und schlenderte einmal über die Messe. Das war wirklich eine Superlative. Von der Anmeldung, über die Messe bis zu meinem Zieleinlauf. So etwas habe ich noch nie gesehen. Zum Wettkampf sollen 260.000 Triathlonbegeisterte an der Strecke gewesen sein, 6.000 Helfer, 3.500 Einzelstarter, etwa 600 Staffeln. Ausnahmezustand im ländlichen Roth. Hier lebt die ganze Region den Triathlon. Das war auch der Grund warum ich meine erste Langdistanz in Roth machen wollte. Bereut habe ich es nicht!

Samstag bin ich nochmal ein paar Kilometer auf dem Rad gefahren und habe einen kleinen Koppellauf gemacht. Anschließend das Rad eingecheckt. Insgesamt habe ich die zwei Wochen vor der Langdistanz aufgrund eines Infektes nicht trainiert. Eigentlich kam mir mein “Männerschnupfen” aber sogar entgegen. Somit wurde ich nicht verleitet mich kurz vor dem Wettkampf “müde” zu trainieren.
Körperlich war ich also super ausgeruht. Samstag Abend waren Dominik und ich noch ein leckeres Steak bei Maredo in Nürnberg essen. Dann ging’s ins Bett. Für vier Stunden konnte ich dann sogar die Augen zudrücken. Kurz nach drei Uhr klingelte der Wecker. In wenigen Stunden ging es los. Ein kurzes Frühstück und dann fuhren wir auch schon nach Hilpolstein zum Schwimmstart. Vorher nochmal kurz auf den Zeltplatz zum Rest des “Fanblocks” und in die Wechselzone letzte Vorbereitungen treffen.

6:30 Uhr starteten die Profis, eine halbe Stunde später war mein Start. Mit den schnellen Agegroupers in Startgruppe 4. Die Kulisse am Schwimmstart – kurz nach sechs Uhr – war beindruckend. Tausende Zuschauer an einem Sonntag um diese Uhrzeit schon auf den Beinen. So etwas hatte ich noch nicht erlebt. Das gab zusätzliche Motivation.

Schwimmen wollte ich locker angehen. Bin ich doch noch nie mehr als 2km am Stück geschwommen. Selbst im Training nicht. Da wir im Kanal geschwommen sind hatte ich keine Probleme mit der Orientierung, es ging quasi immer geradeaus, bis zum Wendepunkt und zurück. Durch die insgesamt 16 Startwellen verteilte sich das Feld auch sehr gut, sodass es wenig “Geprügel” im Wasser gab. Meine Taktik war, schnelle Beine zu finden um selber Kräfte für das Radfahren und Laufen zu sparen. Die ersten 3.000m ging die Taktik auch gut auf, danach wurde es aufgrund Überholmanöver der Startgruppen, die vor uns gestartet sind, ein wenig unübersichtlich und ich war auf mich gestellt. Nach 57:48min konnte ich das Wasser verlassen. ‘Das lief gut’, dachte ich mir. Hatte mein Schwimmtrainer Jürgen doch gewettet, dass ich nicht unter einer Stunde bleiben werde.

Auf dem Rad versuchte ich mich von anderen nicht beeindrucken zu lassen und fuhr mein Rennen. Alle 30km nahm ich ein Gel, regelmäßig trank ich und kühlte Nacken und Oberschenkel mit Wasser. Es sind zwei Runden zu absolvieren. Es gibt nur wenige bissige Anstiege, dafür eine lange Abfahrt. Nach 90km war ich bei 2:26h. ‘Fantastisch’, dachte ich mir. ‘Ich war auf Kurs unter 5h’, keine 10km später ist mir das Grinsen aber schon vergangen. Ich konnte nicht mehr in der Aeroposition fahren. Starke Rückenschmerzen zwangen mich zu aufrechter Position, ständiges Dehnen, Wiegetritt sogar auf Bergabpassagen. Mein Körper war es nicht gewohnt, solange in Aeroposition zügig zu fahren. Vielleicht auch ein wenig fehlendes Stabitraining im Vorfeld. Ich war ziemlich am Boden zerstört und wusste auch noch nicht genau wie ich die folgenden  80km überstehen sollte und vor allem den abschließenden Marathon.
So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Unter ziemlich starken Schmerzen pedalierte ich dann Wechselzone 2 entgegen. Motivationen waren meine Supporter und der Solarer Berg. Die Radzeit war natürlich dahin, die zweite Radrunde fuhr ich 20min langsamer als die erste. Ich stand vor einer schweren Entscheidung. Das Rennen hier zu beenden oder mich auf eine 42km langen Wanderung zu begeben.

Ich entschied mich für die zweite Möglichkeit und stiefelte erst einmal los. Die ersten 500m war an laufen nicht zu denken. Ich versuchte am Streckenrand meinen Rücken zu dehnen. Gar nicht so einfach – auch wenn es ein so großer Muskel ist. Zum Glück ging es die ersten Kilometer erst einmal Bergab. Von den Zuschauern angepeitscht, versuchte ich wieder loszutraben. Es ging besser als erwartet: ‘Also gut’, dachte ich und ging das Projekt Marathon an. Um mich zeitmäßig nicht unter Druck zu setzen, hatte ich das gesamte Rennen keine Uhr dabei. Lediglich auf dem Rad den Tacho. Ich konnte mich tatsächlich wieder ganz gut fangen und war plötzlich wieder im (Wett)Kampfmodus.

Die Laufstrecke ist überwiegend flach, am Anfang geht sie ziemlich lange am Kanal entlang. Immer geradeaus. Alle 2km war eine Verpflegungsstelle wo ich jedes mal Cola zu mir nahm. Ab und zu ein Gel. Regelmäßig Wasser für den Nacken. Die Temperaturen waren mittlerweile auf über 30 Grad angestiegen, Schatten gab es kaum. Gut verteilt über die gesamte Laufstrecke stand mein Supporterteam.
Ihr ward wirklich große Klasse an diesem Tag!! Habt mir immer wieder ein Lächeln ins Gesicht gezaubert auch wenn mir nicht mehr danach war (: Bis Kilometer 26 kam ich auch ohne Gehpause davon. Danach zwang mich die innere Erschöpfung immer wieder zu kurzen Gehpausen. Muskulär (vom Rücken mal abgesehen) hatte ich an diesem Tag keine Probleme. Keine Krampfansätze in den Beinen. Hätte ich im Vorfeld nicht gedacht. Bei Km 30 fragte ich eine Zuschauerin wie spät es sei. “16 Uhr”, antwortete sie. Dominik hatte gesagt, wenn ich nicht vor 18 Uhr zurück bin, fährt er ohne mich nach hause. (: Zwei Stunden für 12 Kilometer sollte ich schaffen. Theoretisch sollte dafür auch eine Stunde reichen, dachte ich mir. Praktisch wäre das aber ein ganz schöner Kampf gegen die Uhr und den wollte ich bei meiner ersten Langdistanz ja bewusst vermeiden.
Dass ich die 10h nicht knacken werde, war mir also 12 km vor dem Ziel bereits bewusst und wurde auch ziemlich schnell zur Nebensache, da ich die letzten Kilometer ganz schön mit mir zu kämpfen hatte.

Überglücklich erreichte ich dann in knapp über 10 Stunden das Ziel in Roth. Die Stimmung war fantastisch und ich total zufrieden, es nach den Strapazen auf dem Rad doch noch geschafft zu haben.

So eine Langdistanz ist nun doch kein Kindergeburtstag. Der Trainingsaufwand noch einmal bedeutend größer als bei einer Mitteldistanz. Wenn ich überlege, dass ich mich auf meine drei Marathons in der Vergangenheit alleine 12 Wochen explizit vorbereitet habe.
Bei meiner nächsten Langdistanz steht dann natürlich die Zeit mehr im Vordergrund. Jetzt weiß ich ja was auf mich zu kommt und eins steht fest: Ich will nach Hawaii!!
Für meine erste Langdistanz 2015 habe ich mein Ziel zu 95 Prozent erreicht. Lediglich das Verpassen der 10h Marke ist ein kleiner Wehmutstropfen.

Bleibt mir noch “Danke” zu sagen. An das weltbeste Supporterteam. Ihr wart absolut SPITZE! Allen voran an Dominik, der die Startgebühr und Unterkunft gesponsert hat. Vielen Dank auch an meinen Trainer Peter und an alle anderen die mir die Daumen vor Ort oder aus der Ferne gedrückt haben. Die Eindrücke bleiben, der Muskelkater vergeht schon
… irgendwann.

Einzelergebnis gibts hier.

 

 

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