Mit hohen Erwartungen bin ich am Samstag nach Berlin gereist. Die Woche hatte ich kaum Zeit zum Trainieren, was gar nicht so schlecht war. So kam ich ausgeruht zum Wettkampf. Ein Tag zuvor habe ich die – noch mal aufgrund von Bauarbeiten - geänderte Radtrecke besichtigt. Die Radstrecke wurde von einem Rundkurs um den Müggelsee auf eine Wendepunktstrecke auf einer stark befahrenen Straße verlegt. Diese war allerdings verdammt schnell. Wie schnell genau, sollte ich am Wettkampftag zu spüren bekommen. Die schön gelegene Laufstrecke wurde noch um je 200 Meter pro Runde verlängert. Das Wasser war perfekt. Es waren zwei Runden mit einem 70 Meter Landgang zu absolvieren.
Nachdem ich mir die Strecken alle noch mal angeschaut habe und somit auch alle drei Teildisziplinen an-gelaufen, -gefahren und -geschwommen bin, ging es mit Dominik in die City. Zu Maredo. Ist schon so langsam zu einem Ritual geworden. Das Salatbuffett und vor allem das Fleisch ist dort aber auch echt leckkkkker!!! Anschließend ging es zurück ins Hotel und ab in die Heia.
Heute gab es um 06:30 Uhr Frühstück. Auch das war perfekt. Der Tag konnte nur gut werden. Das Wetter war es jedenfalls auch. Endlich Sommer. Der Berlin Triathlon XL sollte mein 2. Sonnenwettkampf nach Mallorca im Mai sein. Kurz vor Halb Neun checkte ich dann schon mein Rad ein. Im Nachhinein betrachtet eine fantastische Idee, weil sich später eine unheimlich lange Schlange beim “Bike-Check-In” bildete.
Zu der Zeit konnte ich mich dann schon ausgiebig warm machen und am See nochmals mit meiner Lieblingsmusik den anstehenden Wettkampf durchgehen. Die Vorfreude stieg. Ich war bestens präperiert. Das einzige was mich ganz nervös machte war, dass ich hier eigentlich niemanden der Starter kannte. Somit konnte ich auch schlecht einschätzen, wo ich am Ende im Gesamtfeld landen könnte. Das Schaulaufen vor dem Triathlon war wie immer groß. Marcel Obersteller (Triathlon Verein Berlin 09) wurde als Top-Favorit gehandelt. Aber auch einige Andere malten sich eine Top10 Platzierung bei der Erstauflage des Berlin Triathlon XL aus.
Kurz nach 10 Uhr wurden dann zunächst die fast 300 Mitteldistanzler auf die 2 Km Schwimmstrecke geschickt. Es waren zwei Runden zu schwimmen. Eine 1.250 Meter Runde und nach einem 70m langem Landgang noch eine 750 Meter Runde. Es war eigentlich wie immer. Nur gab es dieses Mal erst in der zweiten Runde die Schläge und Tritte, weil unmittelbar bevor wir auf die zweite Runde kamen, die nochmals fast 350 Kurzdistanzler auf die Strecke gelassen wurden. So war die zweite Runde zwar kürzer aber dennoch aufgrund des Zick Zacks und der Tritte durchaus unangenehmer und nicht so flüssig wie die erste. Dennoch konnte ich das Wasser als 19. (vom Mitteltriathlon) verlassen und sogar als 15. aufs Rad wechseln.
Zu fahren waren drei Runden (aufgrund der kurzfristigen Änderung der Radstrecke verkürzte sie sich entgegen der Ausschreibung auf 80 Kilometer). Dort schob ich mich gleich auf der ersten Runde an fast allen Kurzdistanzlern vorbei und ging als 3. auf die zweite Radrunde. Unmittelbar hinter mir Björn McAulay und Hagen Schröter (Magdeburger Triathlon Club). Wobei Björn McAulay wohl die 10 Meter Abstand mit 10 Zentimeter verwechselte und die Kampfrichter wohl ihre Karten vergessen hatten. Gezeichnet von den ersten beiden Runden konnten sich dann Hagen und Björn in der letzten Runde noch leicht absetzen und mit etwa einer halben Minute Vorsprung auf den abschließenden Halbmarathon gehen. Der Tacho zeigte einen 40er Schnitt an. Hammer!!
Hochmotiviert konnte ich Beide noch auf dem ersten Laufkilometer überholen und mich auf Position 3 setzen. Ich entschloss mich, auch gleich weiter Druck zu machen, um den Beiden keinen Anreiz zu schaffen, dran zu bleiben. Einen Kilomter später bekam ich auch prompt die Rechnung dafür. Krämpfe in beiden Beinen. “Das darf doch wohl nicht wahr sein”, schimpfte ich mit mir selber und versuchte gleich meine Gedanken abzulenken. “Du bist ein guter Läufer”, dachte ich, “du läufst jetzt einfach dein Tempo weiter”. Keine zwei Minuten später wäre ich aus dem Rennen gegangen, wenn ich zu diesem Zeitpunkt nicht im tiefsten Wald und es nicht gleichzeitig der weiteste Punkt zum Ziel gewesen wäre. So nahm ich aus Frust mein letztes Gel und quälte mich Zentimeter um Zentimeter weiter. Von hinten kam Meter um Meter Hagen wieder näher. Ob er wusste wie es mir ging? Ich glaube er konnte es ahnen. Ich nahm jede Getränkestelle mit. Mein Laufstil wurde immer komischer und Dominik merkte, dass es nicht “rund” läuft. Ende der ersten Runde, gepuscht durch die vielen Zuschauer, entschloss ich mich dann doch weiterzukämpfen. Ich hatte noch nie ein Rennen aufgegeben.
Die Mühen auf dem Rad und im Wasser sollten nicht umsonst gewesen sein. Mitte der zweiten Runde merkte ich auch, dass ich langsam meine Beine wieder etwas mehr belasten konnte und so versuchte ich, wieder aus Sichtweite von Hagen zu kommen. Jetzt tat es zwar immer noch weh aber es machte wieder Spaß. “Hälfte geschafft und immer noch Dritter. Geil.”, dachte ich mir. Die dritte Runde verlief so lala. In der vierten Runde passierte dann doch noch das, was eigentlich viel früher hätte passieren müssen. Aber nicht Hagen überholte mich sondern der saustark laufende Marcus Klönne (Triathlon Team TG Witten), der am Ende auch mit 1:18:10h die mit Abstand schnellste Halbmarathonzeit lief. Ich versuchte kurz dranzubleiben aber meine Beine signalisierten mir recht schnell: “Entweder du machst langsam oder du läufst ohne uns weiter.” Völlig erschöpft aber trotzdem zufrieden passierte ich schlussendlich als 4. Platzierter die Ziellinie. Es war definitiv mein härtester Halbmarathon.
Danke, lieber Dominik, für die fantastische Unterstützung und die super Fotos! Alleine hätte ich das heute nicht durchgezogen. Es war für mich enorm wichtig, jede Runde zwei Mal jemanden an der Strecke zu haben, um immer mal wieder abgelenkt und nicht mit meinen Krämpfen alleine gelassen zu werden. Das war F A N T A S T I S C H!! *indiehändeklatschundtiefverbeug*.
Zusammenfassend kann man sagen: Top Wettkampf mit schöner Wettkampfstrecke jedoch einer mehr als fragwürdigen Radstrecke bzw. Verkehr auf der Radstrecke. Diese war leider nicht wie versprochen teilgesperrt. Es gab sogar einen schweren Unfall und auch ich musste insgesamt drei mal aufgrund des starken Verkehrs und der zum Teil rücksichtslosen Autofahrer komplett anhalten. Trotzdem bin ich super zufrieden mit meinem Ergebnis, auch wenn es am Ende der undankbare vierte Gesamtplatz wurde. Der Favorit Marcel Obersteller war am Ende nur zwei Minuten vor mir. Der Dritte war sogar nur 1:20 Minuten vor mir. Gewonnen hat Stefan Hintze-Karsten.
Nächste Woche steht zur Abwechslung mal ein Sprint in Grimma an. Warum ich aber eigentlich nach Grimma fahre, weil ich bei der Deutschen Meisterschaften im Triathlon zuschauen möchte. Darauf freue ich mich schon besonders!!
Achso. Meine Schwester Lydia wird heute 18 Jahre alt! Alles Gute zum Geburtstag liebes Schwesterherz!!
Euer Philipp
Hier geht es zu den Ergebnissen: www.philipp-heinz.com/ergebnisse/
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